Technisches SEO für WordPress: die Checkliste, die wir bei jedem Projekt abarbeiten

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Kurz gesagt: Technisches SEO sorgt dafür, dass Suchmaschinen und KI-Systeme Ihre Seiten überhaupt finden, verstehen und schnell ausliefern können. Es ersetzt keine guten Inhalte, aber ohne saubere Technik bleibt selbst der beste Text unsichtbar.

Diese Checkliste arbeiten wir bei jedem WordPress-Projekt ab. Sie ist so aufgebaut, dass Sie jeden Punkt selbst prüfen können.

Was gehört zu technischem SEO?

Technisches SEO umfasst alles, was zwischen dem Crawler und Ihrem Inhalt steht: Indexierbarkeit, Seitenstruktur, Ladezeit, mobile Darstellung, strukturierte Daten und saubere URLs. Inhaltliche Optimierung (OnPage) und Verlinkung (OffPage) bauen darauf auf. Wenn die Technik klemmt, wirkt keine der beiden anderen Disziplinen.

1. Indexierung: Wird die Seite überhaupt aufgenommen?

Prüfen Sie zuerst, ob Google die Seite sehen darf. Drei Stellen entscheiden darüber, und alle drei können sich widersprechen.

  • Einstellungen → Lesen: Der Haken bei „Suchmaschinen davon abhalten, diese Website zu indexieren“ muss entfernt sein. Diese Einstellung bleibt nach einem Relaunch erschreckend oft aktiv.
  • robots.txt: Keine Disallow-Regel auf Verzeichnisse, die indexiert werden sollen. Achten Sie auch auf Regeln, die ein CDN oder ein Sicherheitsdienst zusätzlich einfügt.
  • Meta-Robots je Seite: noindex gehört auf Danke-Seiten, interne Suchergebnisse und Autorenarchive, nicht auf Leistungsseiten.

Gegenprobe: Rufen Sie die Seite in der Google Search Console über die URL-Prüfung auf. Dort steht, ob und wann indexiert wurde und welche Version Google gespeichert hat.

2. Eine Seite, eine URL: Canonicals und Duplikate

WordPress erzeugt schnell mehrere Adressen für denselben Inhalt: mit und ohne www, mit Parametern, als Anhang-Seite, als Kategorie-Paginierung. Jede Variante verdünnt das Signal.

  1. Nur eine Domain-Variante ist erreichbar, alle anderen leiten per 301 dorthin.
  2. Jede Seite trägt einen selbstreferenzierenden Canonical-Tag.
  3. Anhang-Seiten (Attachment Pages) sind deaktiviert oder leiten auf die Datei.
  4. Parameter-URLs aus Filtern oder Kampagnen sind nicht indexierbar.
  5. Zwei Seiten zielen nie auf dasselbe Keyword mit demselben Title. Sonst konkurrieren Sie mit sich selbst.

3. Seitenstruktur: Findet ein Besucher in drei Klicks ans Ziel?

Eine gute Struktur ist flach und thematisch gebündelt: Startseite, Themen-Hub, Detailseite. Jede wichtige Seite sollte von der Startseite aus in maximal drei Klicks erreichbar sein und mindestens einen internen Textlink aus einem verwandten Inhalt bekommen.

Praxisregel: Wenn eine Seite nur über das Hauptmenü erreichbar ist und aus keinem einzigen Fließtext verlinkt wird, hält Google sie für unwichtig, egal wie gut sie geschrieben ist.

4. Ladezeit und Core Web Vitals

Google misst drei Werte im echten Nutzerverkehr. Die Schwellen für „gut“ sind öffentlich dokumentiert: LCP unter 2,5 Sekunden, INP unter 200 Millisekunden, CLS unter 0,1.

Die wirksamsten Hebel in dieser Reihenfolge: Serverantwortzeit senken (Caching), Bilder in modernen Formaten und mit festen Maßen ausliefern, Schriften selbst hosten, nicht benötigte Skripte gar nicht erst laden. Details dazu in unserer PageSpeed-Optimierung.

5. Mobile zuerst

Google bewertet die mobile Fassung. Prüfen Sie am echten Gerät, nicht nur im verkleinerten Browserfenster: Sind Schaltflächen mit dem Daumen treffbar? Bleibt Text ohne Zoom lesbar? Sind Tabellen horizontal scrollbar statt abgeschnitten? Erscheint der Cookie-Hinweis, bevor der Inhalt geladen ist?

6. Strukturierte Daten

Schema-Markup erklärt Maschinen, was auf der Seite steht. Für Unternehmensseiten sind vier Typen relevant: Organization beziehungsweise LocalBusiness für das Unternehmen, Service für Leistungsseiten, FAQPage für Fragenblöcke, Article für Beiträge. Prüfen Sie das Ergebnis im Rich-Results-Test von Google.

Wichtig: Markup darf nur beschreiben, was für Besucher sichtbar ist. Erfundene Bewertungen oder Preise im Markup sind ein Verstoß gegen die Richtlinien.

7. XML-Sitemap und interne Signale

  • Die Sitemap enthält nur indexierbare Seiten mit Status 200, keine Weiterleitungen und keine noindex-Seiten.
  • Sie ist in der robots.txt verlinkt und in der Search Console eingereicht.
  • Leere Kategorien und Tag-Archive stehen nicht darin.
  • Das Datum der letzten Änderung stimmt und wird nicht bei jedem Cache-Lauf neu gesetzt.

8. Weiterleitungen und Fehlerseiten

Jede gelöschte URL braucht eine Entscheidung: 301 auf die passende neue Seite, oder bewusst 410 für Inhalte, die es nie wieder geben wird. Sammelweiterleitungen aller alten URLs auf die Startseite sind der häufigste Fehler nach einem Relaunch, weil Google sie wie einen Fehler behandelt.

Die 404-Seite selbst sollte den Status 404 senden, eine Suche anbieten und auf die wichtigsten Bereiche verlinken.

9. Sicherheit und Erreichbarkeit

HTTPS auf allen Seiten, keine gemischten Inhalte, keine abgelaufenen Zertifikate. Dazu: aktuelle Plugin-Versionen, tägliche Backups und eine Statusüberwachung, die meldet, wenn die Seite nicht erreichbar ist. Eine Website, die dreimal im Monat für Stunden ausfällt, verliert Rankings, ohne dass jemand am Text etwas geändert hätte.

10. Zugang für KI-Crawler

Neu auf der Liste, aber inzwischen entscheidend: Wenn ChatGPT, Perplexity oder Claude Ihre Inhalte zitieren sollen, müssen deren Crawler die Seite lesen dürfen. Prüfen Sie die robots.txt auf Sperren für GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot und Google-Extended. Viele Hoster und CDNs setzen solche Sperren inzwischen standardmäßig, ohne dass der Websitebetreiber es merkt.

Die Kurz-Checkliste zum Abhaken

  1. Indexierung erlaubt (WordPress-Einstellung, robots.txt, Meta-Robots)
  2. Eine Domain-Variante, selbstreferenzierende Canonicals
  3. Keine zwei Seiten auf dasselbe Keyword
  4. Jede wichtige Seite in drei Klicks und mit internem Textlink erreichbar
  5. LCP unter 2,5 s, INP unter 200 ms, CLS unter 0,1 im Feldtest
  6. Mobile Ansicht am echten Gerät geprüft
  7. Schema für Organisation, Leistungen, FAQ, Beiträge
  8. Saubere XML-Sitemap, in der Search Console eingereicht
  9. Weiterleitungsplan statt Sammelweiterleitung, echte 404
  10. HTTPS, Updates, Backups, Monitoring
  11. KI-Crawler nicht versehentlich gesperrt

Häufige Fragen

Wie oft sollte man technisches SEO prüfen?

Einmal im Quartal als Routine und immer nach größeren Eingriffen: Relaunch, Umzug, neues Theme, neues Cache- oder Sicherheits-Plugin. Die meisten technischen Probleme entstehen nicht von selbst, sondern durch eine Änderung.

Reicht ein SEO-Plugin?

Ein Plugin wie Yoast setzt Titles, Canonicals und Sitemaps korrekt. Es kann aber weder Ihre Seitenstruktur noch Ihre Ladezeit noch Ihre Weiterleitungen entscheiden. Es ist Werkzeug, nicht Strategie.

Was ist der häufigste technische Fehler?

Nach unserer Erfahrung zwei Dinge: Seiten, die um dasselbe Keyword konkurrieren, und Relaunches ohne Weiterleitungsplan. Beide kosten Sichtbarkeit, die vorher da war.

Womit Sie jeden Punkt selbst prüfen

Für die gesamte Liste brauchen Sie kein kostenpflichtiges Werkzeug. Diese vier reichen für eine belastbare Selbstprüfung:

Ergänzend hilfreich ist ein Crawler für den Gesamtüberblick. Schon die kostenlose Variante der gängigen Programme deckt einige hundert URLs ab und findet Weiterleitungsketten, fehlende Titles und verwaiste Seiten zuverlässig.

WordPress-spezifische Stolpersteine

Zu viele Plugins mit überlappender Funktion

Drei Plugins, die alle Caching anbieten, heben sich gegenseitig auf und erzeugen schwer auffindbare Fehler. Führen Sie eine Liste: Was macht dieses Plugin, und welches andere macht dasselbe? Alles, was nicht eindeutig gebraucht wird, fliegt raus statt nur deaktiviert zu werden.

Page-Builder und aufgeblähter Quelltext

Baukästen erzeugen verschachtelte Container. Das ist an sich kein Ranking-Problem, wirkt sich aber auf Ladezeit und Wartbarkeit aus. Prüfen Sie, ob Ihr Builder eine Option für schlankeren Quelltext bietet, und aktivieren Sie sie nach einem Test auf einer Kopie.

Automatisch erzeugte Archive

WordPress legt Archive für Autoren, Daten, Formate und Schlagwörter an. Bei einer Firmenseite bringen die meisten davon nichts und erzeugen dünne Seiten. Deaktivieren Sie, was Sie nicht bewusst nutzen.

Medien ohne Ordnung

Bilder mit Dateinamen wie IMG_4711.jpg und in Originalgröße hochgeladen sind der häufigste Grund für langsame Seiten. Sprechende Dateinamen, passende Abmessungen und moderne Formate lösen einen großen Teil der Ladezeitprobleme, bevor irgendein Caching aktiviert wird.

Ungenutzte Themes und alte Installationen

Ein altes Theme im Verzeichnis wird nicht ausgeliefert, aber weiter gescannt und kann Sicherheitslücken enthalten. Ebenso Testinstallationen in Unterordnern, die niemand mehr aktualisiert.

In welcher Reihenfolge Sie vorgehen sollten

Wenn Sie nicht alles auf einmal angehen können, ist das die wirksamste Reihenfolge. Jeder Schritt setzt voraus, dass der vorherige erledigt ist.

  1. Indexierbarkeit herstellen. Ohne das wirkt nichts anderes.
  2. Doppelte Ziele auflösen. Zwei Seiten auf ein Keyword kosten mehr, als die meisten technischen Feinheiten bringen.
  3. Serverantwortzeit senken. Caching und Hosting entscheiden über die Basis, an der jede weitere Optimierung hängt.
  4. Interne Verlinkung aus dem Fließtext heraus aufbauen.
  5. Bilder und Skripte aufräumen.
  6. Strukturierte Daten ergänzen.

Was Sie einmal im Quartal prüfen sollten

  • Neue 404-Fehler aus der Search Console, besonders nach Plugin- oder Theme-Updates
  • Seiten, die aus dem Index gefallen sind
  • Ladezeit der drei wichtigsten Einstiegsseiten
  • Ob die Sitemap noch alle relevanten Seiten enthält
  • Ob neue Inhalte intern verlinkt wurden oder verwaist sind
  • Ob ein Dienst in der Zwischenzeit KI-Crawler oder andere Bots gesperrt hat

Das dauert bei einer mittelgroßen Website etwa eine Stunde und verhindert die meisten stillen Verluste.